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Kloster Gravenhorst - Rundgang
Durch einen Torbogen gelangt man in den schlossähnlichen Klosterhof. Er wirkt für das vergleichsweise kleine Kloster ungewöhnlich weiträumig.
Begrenzt wird er nach Osten (zur Teichseite) durch eine Mauer, nach Norden durch die Kirche, nach Westen durch den Westflügel und nach Süden durch den Südflügel.
Ehemals war der Hof allseitig umbaut. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass ein Torhaus zwischen Südflügel und Kirche den Innenhof unterteilte. Der erste Eindruck wird geprägt durch die repräsentative zweigeschossige Außenfassade des Konventsgebäudes im barocken und klassizistischen Stil.
Konventsgebäude
Die ehemaligen Klostergebäude wurden durch den Kreis Steinfurt und mit Landesmitteln in den Jahren 2003/2004 saniert und gesichert. Quasi im letzten Moment; denn dem Kloster drohte der endgültige Verfall. Als sogenanntes Leuchtturmprojekt der "Regionale 2004" wurde es den Erfordernissen eines modernen Kunsthauses angepasst. Ziel der Planung war es, die bestehende historische Bausubstanz zu erhalten. Durch Materialwahl und durch die zeitgemäße Gestaltung der Details wurden notwendige neuere Einbauten kenntlich gemacht.
Von Beginn an vermieden die Planer jeden historisierenden Ansatz. Im Westflügel ist nach der Umbauphase ein bis zum Dachstuhl offener, fast 50 Meter langer Veranstaltungsraum untergebracht.
Im Erdgeschoss des Südflügels befinden sich ein Café-Restaurant, das Foyer und kleinere Ausstellungsräume. Im Obergeschoss sind sieben verglaste Ateliers sowie Aufenthalts- und Wohnräume für Künstler entstanden, die gemeinsam auch mit Besuchern in Workshops und Kunstprojekten arbeiten.
Ein neu eingebautes Treppenhaus im Süden des Westflügels verbindet die unterschiedlichen Geschosse der Gebäudeflügel. Dank zweier Aufzüge sind alle Ebenen (bis auf den Remter und den Gewölbekeller) barrierefrei.
Wirtschaftsgebäude
Das ehemalige Back- und Brauhaus des Klosters gehört zu den sehr gut erhaltenen und restaurierten Wirtschaftsgebäuden. Es befindet sich freiliegend südlich des Ostgiebels und wird seit einigen Jahren für Ausstellungen genutzt. Archäologische Untersuchungen Ende der 1990er Jahre bestätigten die Annahme, dass Außenmauerwerk und Gebälk aus dem 17. Jahrhundert stammen. Auf dem stark verwitterten Wappenstein der Maria Etta von Westerholt, sie war Äbtissin von 1659 bis 1685, an der Westfassade im Erdgeschoss war die Jahreszahl 1662 zu lesen. Ein Teil der Innenmauern ist allerdings wesentlich älter und mittelalterlichen Ursprungs. Das aus Bruchsteinen erstellte Gebäude diente bis in die 1920er Jahre als Backhaus. Später wurde es als Räucherkammer, Schmiede, als Holzschuhwerkstatt, Wohnung und schließlich als Bullenstall genutzt. Im Innern steht der große Kaminblock. In zwei Bodenvitrinen sind Teile einer freigelegten Feuerstelle und Aschegrube zu sehen. Darin wurde die Asche als Rohstoff zur Acker-düngung oder zum Bleichen gesammelt.
Die Kornmühle des Klosters gehört seit jeher zu den wichtigsten Wirtschaftsgebäuden. Das erhaltene Mühlengebäude wurde vor 350 Jahren gebaut. Im Steinsturz über dem Eingang zur Mühle ist die Jahreszahl 1651 eingemeißelt. Beim Bau wurden mehrere Sandstein-Einfassungen in die Wände vermauert, die beim Wiederaufbau des Klosters in den 1640er Jahren nicht mehr genutzt wurden. Da die Aa nicht immer genügend Wasser lieferte, wurde die Mühle nach Auflösung des Klosters zeitweise mit einer Dampfmaschine angetrieben, seit 1959 auch mit elektrischem Strom.
Während der Angriffe der englischen Luftwaffe auf den nahe gelegenen Aa-Düker am Mittellandkanal wurde die Mühle 1944 stark beschädigt; zu den Opfern zählte der Müller Heinrich Witte. Bis dahin war die Mühle eingeschossig und wies einen Fachwerkgiebel auf. Das untere Geschoss blieb in seiner Substanz weitgehend intakt und original erhalten. Die Mühle wurde 1948 wieder aufgebaut und bis 1975 betrieben. Der Förderverein Kloster Gravenhorst hat sie in den Jahren 2003/2004 saniert und vervollständigt. Zu Demonstrationszwecken wird mit Hilfe der komplett erhaltenen Mühlentechnik aus der Nachkriegszeit wieder Korn gemahlen.
Um ihre Fischteiche mit Wasser zu speisen und die Wasserräder ihrer Mühlen zu betreiben, siedelten sich die Zisterzienser mit Vorliebe in wasserreichen Gebieten und Flusstälern an. Waren die Klöster in der Anfangs-phase des Ordens auch schlicht, so stand doch zumeist eine Mühle zur Verfügung.
Besonders aus der Schar der Laienbrüder gingen kenntnisreiche Mühlenbauer hervor. Als erste Mönche beschäftigten sich bereits die Benediktiner intensiv mit dem Mühlenbau. Im Hochwassergebiet der Ibbenbürener Aa gab es für den Betrieb einer Mühle gute natürliche Bedingungen. Schon in der Aufbauphase des Ordens in Gravenhorst ist die Existenz einer Mühle urkundlich belegt. 1262 überträgt Otto Graf von Ravensberg "den Haupthof und die Mühle in Gravenhorst, die bisher in geistlicher Hinsicht zur Kirche in Riesenbeck gehörten, an die Nonnen in Gravenhorst". Weiter wird festgelegt, dass die Bewohner und ihre Gäste im Kloster die Sakramente empfangen und kirchlich beerdigt werden können. Die Mühle selbst liegt außerhalb des Klosters, teilt eine Urkunde aus dem Jahr 1475 mit.
Noch während des Dreißigjährigen Krieges erlebte das Kloster eine neue Blüte. Der Konvent leistete beherzt zahlreiche Wiederaufbau- und Erweiterungsmaßnahmen. Dazu zählte die Anlegung weiterer Fischteiche und des Mühlenteichs. Sogar die Hörsteler Aa wurde näher an das Kloster herangeführt. Denn für drei Mühlen musste die Wasserkraft reichen: für die Kornmühle und für die rund 200 Meter weiter bachabwärts gelegenen Öl- und Walkmühlen. Durch die sogenannte Mühlengerechtigkeit war den Nonnen dies urkundlich zugestanden. Seit der Zurückverlegung der Aa in die natürliche Aa-Niederung im Rahmen der Flurbereinigung 1974 ist der Mühlenteich ein Stillgewässer.
Kirche aussen
Europaweit haben die Zisterzienser beeindruckende Klosterkirchen hinterlassen, die im Laufe der Jahrhunderte ausgeformt und immer prächtiger ausgestattet wurden. Unter vielen sind zu nennen die Klosterkirche Osek in Tschechien, Pontigny im Burgund oder Salem in Baden-Württemberg.
In Nordrhein-Westfalen sind die bedeutenden Zisterzienserklöster Altenberg im Bergischen Land, Kloster Kamp am Niederrhein - die älteste deutsche Niederlassung -, und Kloster Marienfeld bei Gütersloh.
Reiche und aufwändige Ausgestaltung hat die Klosterkirche zu Gravenhorst nicht zu bieten. In der ihr eigenen Bescheidenheit repräsentiert sie jedoch Dutzende anderer Frauenklöster, die in jener Epoche "zahlreich wie die Sterne am Himmel" entstanden, von denen aber nur wenige erhalten sind.
Seit der Säkularisation 1808 befindet sich die Rektoratskirche St. Bernhard im Staatsbesitz, heute im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen. Wie sie sich uns gegenwärtig darstellt, ist sie das Ergebnis mehrfacher grundlegender Änderungen im Laufe der Jahrhunderte. Religion und religiöse Lebensformen sind Teil ständiger Prozesse. So trug jede Epoche das ihre auch zur äußerlichen Änderung bei. Wer genau hinschaut, kann die Steine "sprechen hören".
Von Beginn an ist die Kirche das Herzstück der Klosteranlage. Gebaut wurde sie in den Jahren um 1270/1280. Dies ergaben Stilvergleiche, urkundlich belegt ist das Datum der Fertigstellung nicht.
Wie bei den meisten westfälischen Zisterzienserinnen-Klöstern des 13. Jahrhunderts liegt die Gravenhorster Kirche im Norden der Anlage. Weiteres Kennzeichen ist der langgestreckte rechteckige Saalbau. Die feine Steinbearbeitung und die mächtigen Strebepfeiler sind noch Elemente des romanischen Baustils. Die ersten gotischen Motive zeigen sich in den Spitzbogenfenstern. Von außen wirkt die Gravenhorster Kirche schlicht, wie ein festes, aus großen Sandsteinquadern errichtetes Haus. Der Grundriss lässt nicht einmal das altarseitige Kopfende erkennen. Das Chorhaupt im Osten (Richtung Mühlenteich) ist flach und baulich nicht hervorgehoben. Flache Chorabschlüsse sind Kennzeichen früher Zisterzienser-Kirchen. Sie waren aber auch bei den westfälischen Gemeindekirchen zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert häufig.
Bei der Absenkung des Fußbodens im Kircheninnern Anfang der 70er Jahre wurde deutlich, dass der Chor ursprünglich nicht erhöht war. Ungewöhnlich ist allerdings, dass die Kirche anfangs allein stand. Der sogenannte Solitärbau war also ohne festen baulichen Anschluss an die übrige Klosteranlage. Dieser Anschluss im Westteil erfolgte erst im Jahrhundert nach Klostergründung und Bau der Kirche.
Einen steinernen Glockenturm hat die Kirche nie besessen. Die Ordensregeln ließen nur einen kleinen Dachreiter zu. In ihnen hingen in der Regel zwei relativ kleine Glocken, die für die Klosterordnung notwendig waren. Klöster, die gegen diese Regel verstießen, mussten damit rechnen, dass auf Weisung des Generalkapitels zu hoch und aufwändig gestaltete Türme abgerissen wurden. Der heutige Dachreiter wurde in Gravenhorst erst vor rund 30 Jahren aufgesetzt.
Nur das Chorfenster an der Ostseite ist mit Maßwerk versehen, welches aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die schmalen Spitzbogenfenster zwischen den Strebepfeilern waren ursprünglich kürzer: Sie wurden nach Abbruch der östlichen Emporenteile etwa 1677 um 80 Zentimeter nach unten verlängert und so der Länge der beiden Fenster des Chorjochs angepasst. Auf der Südseite der Kirche, also vom Innenhof aus betrachtet, befanden sich im ersten Joch von Westen (von links) zwei kleine rechteckige Fenster. Sie dienten dazu, den Raum unterhalb der Nonnenempore auszuleuchten. Eines der Fenster ist heute freigelegt.
Bis ins 17. Jahrhundert hatte die Kirche drei Zugänge; zwei davon sind noch zu erkennen: Auf der Nordseite liegt im dritten Joch von Osten ein Portal aus dem Frühbarock; dieser von Beginn an separate Zugang für die Laien wird heute nicht mehr genutzt. Aus der Zeit um 1400 stammt die Portalöffnung in der Südwand. Sie ist heute zugesetzt. In der frühen Klosterzeit war sie allein den Nonnen vorbehalten. Von dieser Tür aus betraten sie den Kreuzgang, der sich vor dem Westflügel befunden hatte. Archäologische Forschungen um 2002 haben die ehemalige Existenz dieses Kreuzgangs bestätigen können. Der dritte, westliche Zugang existiert nicht mehr: Die ursprüngliche Westmauer wurde komplett abgetragen. Erhalten geblieben ist das gotische Westportal; es befindet sich im Kapitelsaal, dem heutigen Gemeindesaal.
Schaut man von Norden auf die Kirche, so reichte der Gründungsbau bis zum fünften Strebepfeiler von Osten, einem ehemals schräg gestellten Eckpfeiler. Er wurde im Zuge der Erweiterung im 17. Jahrhundert gerade gerückt. Rechts davon erstreckt sich der Westanbau. Drei Strebepfeilerpaare sichern das Tonnengewölbe ab. Drei barokke Rundbogenfenster lassen Licht auf die Empore ein. Die drei Außentüren führen zur Empore, zur Sakristei und in den Kapitelsaal bzw. in die Bibliothek in den oberen Stockwerken. Geht man um das Gebäude, ist auf der Westseite ein verglaster Zugang zu sehen. Durch diesen Rundbogen gingen die Nonnen einst in den Kreuzgang, der in Resten vorhanden ist. Bei einem Brand wurde der Westanbau 1818 so schwer beschädigt, dass nur Ruinen übrig blieben. Im Rahmen der Restaurierung bis 1974 wurde dieser Teil wieder hergestellt. Völlig zerstört wurde bei dem Brand von 1818 der direkt angrenzende Nordwestflügel. Eine dichte, nach Westen ausgerichtete Eibenhecke zeichnet seinen Grundriss nach.
Nördlich der Kirche liegt der ehemalige Klosterfriedhof. Er wird heute durch eine Quermauer zweigeteilt. Die dort aufgestellten gusseisernen Kreuze wurden in der nahegelegenen Eisenhütte im 19. Jahrhundert produziert.
Die Feuchtigkeit machte bereits den Erbauern der Kirche zu schaffen. Sie scheuten keine Mühen, der im Überschwemmungsgebiet der Ibbenbürener Aa gelegenen Kirche ein festes Fundament zu setzen: Dazu wurden Eichenstämme senkrecht ins Erdreich eingelassen, darauf dann waagerecht weitere Stämme geschichtet, auf denen wiederum die Grundmauern ruhen. Die Fundamente leisten bis heute ihren Dienst. Wegen der Tallage in einem Sumpfgebiet war nicht zu verhindern, dass zuweilen das blanke Wasser im Gotteshaus stand. Die Feuchtigkeit wurde sogar im päpstlichen Rom zum Thema. In einer Urkunde von 1438 erlaubt der päpstliche Legat dem Kloster Gravenhorst, die Messe auf einem Tragaltar zu feiern.
Um der lästigen Vernässung Herr zu werden, wurde der Fußboden der Kirche wie des Konventgebäudes im Laufe der Zeit mehrfach aufgeschüttet. Als der Boden innerhalb und außerhalb der Kirche 1972/73 wieder abgesenkt wurde, kamen unter anderem die drei Jahrhunderte lang unsichtbaren Sockel wieder zu Tage. Abhilfe gegen die Feuchtigkeit konnte erst ein Drainagen-System schaffen.
Kirche innen
Zisterzienser konzentrierten sich auf das Wesentliche. Sie schufen einen Kirchen- und Klosterbau zu klaren Grundformen. Alles sollte lediglich den praktischen und liturgischen Funktionen gerecht werden. Oberstes Prinzip war die Zweckmäßigkeit. Während an anderen Orten gewaltige Kathedralen gen Himmel schossen und die herrlichsten Glasmalereien die Bibel bildnerisch verdeutlichten, hielten die Zisterzienser ihre Fenster in hellen Tönen. "Die Zisterzienser kennen die Schrift", gab Bernhard von Clairvaux vor. Er gab dem Orden in der Gründungsphase sein Gesicht. Die figürliche Darstellung sollte vermieden werden. "Bildwerke dulden wir nirgends, Malereien nur auf Kreuzen, die aber nur aus Holz sein dürfen", bestimmte die Ordensregel. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, griffen die Klöster bei der Ausstattung der Kirchen gern auf Pflanzenornamente zurück, wie sie in Gravenhorst auf Kapitellen und Schlusssteinen in verschiedenster Gestaltung zu finden sind.
Im Innern unserer Klosterkirche ruhen die vier Joche des Kreuzrippengewölbes auf vorgelagerten Halbsäulen. Sie gliedern die langen Flankenwände in wohlproportionierte Abschnitte und vermitteln zugleich Festigkeit. Das gotische Gewölbe des Gründungsbaus geht von Ost nach West über in ein barockes Tonnengewölbe, das die Orgelempore im Westteil überspannt. Die westliche Abschlusswand von 1270/ 1280 existiert bis auf kleine sichtbare Reste an der Nord- und Südwand nicht mehr - wohl aber ihr spätromanisch-frühgotisches Portal. Die Äbtissin befand es für wertvoll genug und ließ es etwa 1640 beim Abriss der restlichen Westwand in den Kapitelsaal, den heutigen Gemeindesaal im Obergeschoss des Westanbaus versetzen. Durch dieses original aus der Gründerzeit stammende Westportal gingen die Nonnen seither, wenn sie vom Kapitelsaal aus die Empore betraten. Die Ausschmückung der Kirche aus mehr als sechs Jahrhunderten ist beachtenswert.
In Höhe der Orgelempore befindet sich auf der Nordseite ein aufwändig gestalteter Wappenstein. Äbtissin von Westerholt, die von 1659 bis 1685 dem Kloster vorstand, ließ ihn setzen.
Der vor die Westwand der Kirche gesetzte Westanbau wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder baulich verändert bzw. erweitert. Er verband die zur Gründungszeit allein stehende Kirche zunächst nur im Obergeschoss mit den Konventsgebäuden und ermöglichte den Nonnen so einen direkten und bequemeren Zugang vom Dormitorium im Obergeschoss des Westflügels zur Nonnenempore. Im Erdgeschoss führte von dort der Weg in den Kreuzgang, der seit dem 15. Jahrhundert nordwestlich der Kirche lag. Mit dem ebenfalls auf dem Wappenstein erwähnten Zurücksetzen des Chors ist die Kürzung der Nonnenempore gemeint. Sie ragte bis dahin in den Kirchenraum, mindestens bis zum Beginn des vierten Jochs. Die ältere, bereits 1677 abgebaute Empore hatte ihren Ursprung in den Reformationsbemühungen um 1485.
Zu jener Zeit bemühte sich die Marienfelder Abtei in Gravenhorst und anderswo um die Wiedereinführung alter, inzwischen vernachlässigter Klosterregeln. Der Bau einer Empore wurde nötig, um die Klausur auch baulich zu festigen. Die Empore trennte in Frauenklöstern die Nonnen selbst in der Kirche völlig von anderen Personen. Der Zutritt in den Chorbereich war Frauen ehemals nicht gestattet. Unterhalb der Empore durften die Laien dem Gottesdienst beiwohnen. Um ihnen mehr Tageslicht zu gewähren, wurden in die Südwand zwei kleine Fenster eingebrochen, wovon eines heute freigelegt, das andere zugemauert ist.
In die Nordwand der Kirche sind zwei Steinplatten eingelassen: Der Ritzgrabstein des 1323 verstorbenen Ritters Hugo von Horne, eines Mitglieds der Gründerfamilie, sowie die kunstvolle Grabplatte der am 4. Juni 1659 im 71. Lebensjahr verstorbenen Äbtissin Maria von Grothaus zu Grone, der Stifterin des Hochaltars.
Das Epitaph an der Nordwand ließ Äbtissin Catharina von Warendorf 1623 nach der Brandschatzung des Klosters setzen. Auf dem Relief mit der Kalvarienberggruppe ist sie unten rechts in ihrer Ordenstracht betend dargestellt. Die beiden Äbtissinnen im Habit des Ordens links und rechts neben dem Gedenkstein entstanden um 1700.
An den beiden Seitenwänden des Altarraumes steht das gotische Chorgestühl aus der Zeit um 1500 mit jeweils fünf Klappsitzen. Die Wangen sind mit Fischblasenmaßwerk und Blattranken reich geschmückt. Reste der ursprünglich blau-grün-roten Farbfassung sind kaum noch erkennbar. Während des Chorgebets ließen sich die insgesamt zehn Sitzbretter hochklappen. Wer nicht “die Klappe” gehalten hat, wem also etwa in tiefer Nacht beim Beten das Sitzbrett versehentlich niederschlug, machte schrecklichen Lärm, wie es noch in der Redewendung überliefert ist. Unter den Sitzbrettern befinden sich kleine Konsolen, die sogenannten Misericordien (lat. misericordia: Erbarmen). Sie erleichterten es den Nonnen, sich während der stundenlangen Gottesdienste stehend abzustützen.
Bei der Renovierung der Kirche bis 1974 wurde aus Seitenstücken der einst zugehörigen Kniebank ein Lesepult gefertigt.
Der Hochaltar auf der Ostseite beherrscht das Kircheninnere. Heinrich Meiering aus Rheine hat dieses meisterhafte Werk im Spätrenaissance-Stil 1641 aus Baumberger Sandstein gefertigt. Gegliedert in drei Achsen und drei Stockwerken, schildert es in sechs fast vollplastischen Reliefs Stationen aus der Passion Christi. Auf der unteren Ebene das Abendmahl und Christus am Ölberg; im Mittelfeld fassen die Geißelung und die Dornenkrönung die Vorführung Christi als König der Juden ein; das Giebelfeld nimmt die Kreuztragung ein, als Beschluss die Kreuzigungsgruppe. Das Retabel verbildlicht die Leidensgeschichte Christi mit großer Erzählfreude. Viele farbenprächtige Details, wie die beiden Hermenvoluten im Obergeschoss, laden den Betrachter ein, sich ins Geschehen einzusenken.
Die damalige Äbtissin Maria von Grothaus bzw. deren Eltern stifteten das Retabel. Darauf deuten die beiden Wappen von Grothaus und von Cloester hin. Über den beiden Stifterwappen sind zwei hölzerne Figuren angebracht: der hl. Nepomuk (frühes 18. Jahrhundert, links) und der hl. Bernhard von Clairvaux (zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, rechts). Meierings Meisterwerk ruht auf dem gotischen Opfertisch aus der Gründungszeit des Klosters. Bevor das Fußbodenniveau der Kirche 1974 abgesenkt wurde, füllte der Hochaltar das komplette Maßwerkfenster dergestalt aus, dass die bekrönende Kreuzigungsfigur vom Fensterrund eingefasst wurde.
Besonders beachtenswert sind die Reliquienschreine, die mit den Schreinen von Kloster Bentlage eine Seltenheit in dieser Region darstellen. Aus einem urkundlichen Vermerk von 1695 geht hervor, dass sich in jeder Perle Reliquien mit den Namen heiliger Märtyrer befinden sollen.
Die knieende Christusfigur vom Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Rest einer Ölbergdarstellung. In der Sakristei befindet sich der dazu gehörige Engel mit Kelch. Er könnte um 1650 von Heinrich Meiering gefertigt worden sein.
Die frühbarocke Darstellung der Anna selbdritt zeigt Mutter Anna, Maria, Jesuskind und orientiert sich an französischen Vorbildern. Sie dürfte um 1650 von einem Meister geschnitzt worden sein, der eine ähnliche Muttergottes in der Marienkirche zu Bevergern schuf.
In einer münsterländischen Werkstatt wurde um 1500 die lebensgroße gotische Liegefigur des toten Christus erstellt. Sie liegt in der Nische eines zugemauerten Portals, das in den Kreuzgang führte.
Die üppige Barockkanzel aus der Zeit um 1700 trägt noch die ursprüngliche farbliche Fassung wie der Hochaltar. In den Feldern der Brüstung sind drei der vier Evangelisten: Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und im dritten Feld Johannes mit dem Adler. Die lebhaft geschnitzten Plastiken scheinen aus ihren Nischen hervor zu treten. Ihre Attribute, die apokalyptischen Tiere, lagern sich wie natürlich seitlich zu ihren Füßen. Im vierten Feld steht eine ursprünglich nicht zugehörige Holzplastik der hl. Katharina von Alexandrien aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Legende nach bekehrte die schöne Königstochter von Zypern in einem Disput fünfzig Theologen und Gelehrte. Daraufhin ließ sie der erzürnte Kaiser Maxentius grausam rädern und enthaupten. Aus diesem Grund wird sie oft mit Rad oder Schwert und dem Kopf des Kaisers zu ihren Füßen dargestellt. Den Schalldeckel krönt Christus, der Gute Hirte, zu seinen Füßen befinden sich Putten.
Garten
Inmitten ausgedehnter Wald- und Wiesengebiete lag das Kloster Gravenhorst seit Jahrhunderten abgeschieden vom Rest der Welt. Ebenso wie die Gebäude der Abtei waren die Außenanlagen mit ihren Mauern, Gärten, Gräften und Wegen planmäßig angelegt. Dank der Hilfe des Fördervereins Kloster Gravenhorst konnte im Außenbereich vieles der Nachwelt erhalten werden.
Nordwestlich der St.-Bernhard-Kirche fasst eine frei stehende Bruchsteinmauer die Reste eines mehr als 500 Jahre alten Kreuzganges ein. Eine Eibenhecke soll ihn in seinem ursprünglichen Ausmaß wieder nachbilden. Der Zugang zum Kreuzgang führte ehemals durch einen heute verglasten Zugang mit Rundbogen in der Westwand des Kirchenanbaus. In der nördlichen Kreuzgangmauer befinden sich Epitaphien mit Seltenheitswert. Weitere wertvolle Grabplatten sind im Westflügel und in der Kirche zu sehen. Zu den ältesten Platten zählen die Ritzplatten der Gründerfamilie von Brochterbeck und deren Verwandten aus dem 14. Jahrhundert. Unter ihnen befanden sich fromme Stifter. Bei der Klosterkirche handelte es sich im Mittelalter um die Grablage gleich dreier Familien: von Brochterbeck, von Horne und von Bramhorn. Fremde Sippen hatten in Gravenhorst kein Bestattungsrecht.
Alte Grabsteine wurden gern zweitverwendet. So fand man zum Beispiel in der Ostwand des Westflügels einen mittelalterlichen Grabstein, der zu einem Türsturz umgearbeitet worden war. Solche Funde bestätigen die Vermutung, dass es weitaus mehr Grabstätten und Ritzplatten gegeben haben muss. In Gravenhorst gibt es keine Reliefplatten, geschweige denn Vollfiguren. Dies wertet die Kunsthistorikern Gabriele Böhm als Hinweis, dass hier die Zisterzienserstatuten, nach der die Grabkennzeichnung kein Hindernis bieten darf, besonders streng eingehalten wurden. Die Platten mussten in den Boden eingelassen werden.
Von einem Kloster ist die Klostermauer nicht wegzudenken. In Gravenhorst diente sie zusammen mit den Gräften als Schutz zur Außenwelt. Zugleich markierte sie die sogenannte Immunität, also den Klosterbezirk, der Fremden nicht zugänglich war. In großen Abschnitten ist die bis zu vier Meter hohe Bruchsteinmauer erhalten: Sie grenzt den Innenhof des Klostergebäudes nach Osten zum Wirtschaftsweg am Mühlenteich ab, setzt sich fort südlich des Back- und Brauhauses und schwenkt auf dem südlichen Gelände Richtung Westen bis zur Außengräfte. In diesem Bereich wurde sie etwa Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. Darauf deuten die ovalen Sichtöffnungen im Barockstil hin. Eine Klostermauer hat es natürlich schon zuvor gegeben. Sie markierte über Jahrhunderte eine Grenzlinie, die die Außenwelt von der Geborgenheit in Gott abgrenzt.
Die breiten Gräben, die sogenannten Gräften, prägen seit jeher das Bild der Außenanlagen. Sie dienten nicht nur zum Schutz, sondern auch der Fischzucht. In der näheren Umgebung verteilt wurden zudem mehr als zwei Dutzend Fischteiche unterhalten.Teilweise wurden die Gräften im Rahmen der jüngsten Klostersanierung wieder freigelegt bzw. gefestigt.
Auf die stete Verschönerung der parkähnlichen Anlagen rund ums Kloster legten die Nonnen seit Ende des 17. Jahrhunderts großen Wert. Jetzt laden sie wieder zum Verweilen ein. Die ursprüngliche Einteilung der Flächen durch Gräften, Wege und Alleen ist erhalten geblieben.
Reizvoll ist die barocke Brücke, die vom Südflügel über die innere Gräfte zum ehemaligen Küchengarten führt. Sie wird von zwei barocken Torpfeilern mit aufgesetzten Vasen markiert. Laut Schlussstein wurde sie in den Dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts gebaut. Die beiden Eisengeländer der Brücke sind neu angelegt. Darin eingefasst ist auf einer Seite das Wappen der Maria Agnes von Ketteler aus dem Haus Harkotten. Als Äbtissin (1729 bis 1740) ließ sie diese Brücke, das Dreihüsken am Teich und die Gartenanlage errichten. Gegenüber ist im Geländer das älteste Siegel des Klosters nachgebildet. Es beurkundet die Wahl der Äbtissin Alheidis von Hetterschey am 7. September 1534. Bei der dargestellten weiblichen Figur handelt es sich um die Schutzpatronin des Tecklenburger Landes, die heilige Margarete.
Eine weitere zweibogige barocke Zufahrtsbrücke aus der Zeit um 1727 führt über den ehemaligen Aa-Lauf im Norden der Klosteranlage.
Eine im Münsterland einzigartige Bauschöpfung ist das Dreihüsken achtern Diek. Es liegt östlich vom Mühlenteich an einer Wegegabelung. Das Heiligenhäuschen wurde in der Bevergerner Niemann-Werkstatt gefertigt. Auf den Schlusssteinen ist zu lesen: "Maria Agnes von Ketteler Abba (-tisa=Äbtissin) hat dieses setzen lahsen ano 1734". Es diente den Nonnen als Station der Fronleichnamsprozession. Nach Darstellung von Rudolf Breuing folgt das Dreihüsken mit dem ungewöhnlichen Grundriss einem tiefen theologischen Anspruch: In der Bauform des gleichseitigen Dreiecks spiegelt sich symbolisch die Dreieinigkeit Gott Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Zugleich symbolisiert die Weggabel als Scheideweg die Entscheidung zur Nachfolge Christi.
Erhalten geblieben ist nur die Figur des kreuztragenden Christus aus Baumberger Sandstein. Der Korpus Christi wurde im Ersten Weltkrieg zerschlagen und 1918 durch einen Eisenguss aus der nahe gelegenen Eisenhütte ersetzt. Die Figur des Christus am Ölberg wurde im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstört; von ihm gibt es leider keine Abbildung mehr.
Nonnenpättken
Trotz seiner Abgeschiedenheit blieb das Kloster von Krieg und Gewalt nicht verschont. Angriffen waren die Nonnen wehrlos ausgeliefert. Im 14. Jahrhundert, während der Tecklenburger Fehde, wurden die Konventsgebäude mehrfach niedergebrannt. Archäologen haben entsprechende Brandspuren gefunden. Im November 1317 berichtet Bischof Engelbert von Osnabrück dem Papst:
"Das mitten unter schlechten Leuten gelegene Kloster ist durch Raub, Erpressung und Brandstiftung bedrückt worden. Durch die Not gezwungen mussten die Nonnen ihr Kloster verlassen, um
anderswo ihren Lebensunterhalt zu finden."
Maria von Grothaus zu Grone zählt zu den herausragenden Äbtissinnen.
Während ihrer Regierungszeit (1623 bis zu ihrem Rücktritt 1656) erhielt die Klosteranlage weitgehend ihr heutiges Gesicht. Ihrem furchtlosen Einsatz, Weitblick und nicht zuletzt Geschäftssinn war es zu verdanken, dass das Kloster Gravenhorst innerhalb nur weniger Jahre aus Trümmern wieder erstand und sich schmuckvoller zeigte denn je. Dank äußerst reger Kreditgeschäfte mit dem Bürgertum unter anderem der Stadt Rheine und Bauern der Region erlebte es eine bis dahin nicht gekannte wirtschaftliche Blüte.
Die Gravenhorster Nonnen zogen die Lehre aus den Kriegserfahrungen. 1643 kauften sie für 200 Taler und drei Molt Roggen in Bevergern von einem verschuldeten Bürger ein Haus. Damals verfügte Bevergern über eine befestigte Burganlage und bot Sicherheit. Am 2. September 1658 wurde das Haus gemeinsam mit 94 weiteren Gebäuden zum Raub der Flammen. Elf Jahre später, 1669, ließ Äbtissin Maria Etta Elisabeth von Westerholt zu Sandfort für die Stiftsdamen ein standesgemäßes Stadthaus errichten. Das Fachwerkgebäude steht an der Ecke von Markt- und Kirchplatz. Es gehört zu den ältesten Fachwerkgebäuden Bevergerns und wird seit 1996 als Café Klosterhof geführt. Links von der Diele befindet sich direkt über dem Gewölbekeller das ehemalige Refektorium, der Speisesaal. Hinter dem großen Kamin befand sich das Dormitorium, der Schlafraum.